Im Jahr 1666 brannte das Vorwerk Riede (der „Vogtshof“) ab. Später entstand an dieser Stelle die Gastwirtschaft Brinkmann, der Vorläufer von Scholvin-Ortmann

Das Vorwerk Riede, dessen Gebäude sich dort befanden, wo heute die Gastwirtschaft Scholvin-Ortmann steht, war lange Zeit der Verwaltungshof des Dorfes, der Sitz des Vogtes, der im Namen der Grafen von Hoya das Dorf verwaltete. Daher nannte man diesen Hof auch „Vogtshof“. Der Name war bis vor hundert Jahren noch gebräuchlich.

Auf dem „Vogtshof“ gab es ein großes Wohnhaus, einen Speicher, ein Backhaus, ein Pförtnerhaus, ein kleines Gefängnis und eine große Zehntscheune; in diese fuhren im Herbst die Bauern jede zehnte Garbe von den abgabepflichtigen Kornfeldern. Auch der Schmalzehnte, nämlich jedes zehnte neugeborene Kalb oder Lamm, dazu Hühner, Eier und Honig, mußte dort in alter Zeit „in natura“ abgeliefert werden.

Das Vorwerksgebäude war nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ziemlich heruntergekommen. Und seit das Vorwerk im Jahr 1620 durch Johann von Langen nach Heiligenbruch verlegt worden war, ruhte die Wirtschaftsführung auf dem Vogtshof in der Dorfmitte. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) wohnte dort der Vogt Johan vom Holte. Das ehemalige kleine Pförtnerhaus war an eine Witwe Butelman verpachtet.

In der Wohnung der Witwe, im Pförtnerhaus, brach am Donnerstag vor Pfingsten des Jahres 1666 ein Brand aus, der das ganze Vorwerk und dazu sieben weitere Höfe des Dorfes in Schutt und Asche legte. Die sieben Höfe, die durch Funkenflug in Brand gerieten, waren die, auf deren Stelle heute die Häuser von Precht (Göbber), Fesenfeld (abgerissen), Thorsten Winkelmann, Lohmann (Scholz), Garbs-Purnhagen (Buse), Bäcker Diers und Gastwirtschaft Asendorf (heute Kirchhof) standen. Der Wind muß also aus südlicher Richtung geweht haben, um die Funken zu diesen Häusern zu tragen. Damals waren alle Häuser im Dorf (und auch die Kirche) strohgedeckt und damit leicht entzündlich.

Dieser große Brand führte zu einem langwierigen Schadenersatzprozess, weil die Besitzer der sieben abgebrannten Häuser den Vogt, der im Vogthaus wohnte, und das Amt Syke, das die Dienstaufsicht über den Vogt hatte, dafür verantwortlich machten, daß sie das für eine Feuerstelle ungeeignete und gefährliche Pförtnerhaus vermietet hätten. Der Amtmann in Syke aber führte den Brand auf einen Blitzeinschlag zurück und hielt sich für den eingetretenen Schaden nicht verantwortlich. Viele Zeugen wurden im Verlauf des Prozesses angehört. Aus deren Aussagen schält sich folgende Geschichte heraus:

Die Witwe Butelman, die Bewohnerin des Pförtnerhauses sagte aus, daß sie am Morgen des besagten Tages noch nach ihren Zwillingen gesehen hätte, um sich zu vergewissern, daß kein Kind aus der Wiege gefallen wäre. Dabei hätte sie kein Feuer bemerkt. Sie sei dann zu Johan Siemers Haus (heute Friseur Bollmann) gegangen, um ein geliehenes Becken zurückzubringen. Auf dem Rückweg zu ihrem Haus habe sie dann Feuer im Kuhstall des Vorwerks gesehen, der zwischen Pförtnerhaus und Vorwerksgebäude lag. Und in ihrem Haus habe sie dann gesehen, wie Flammen aus dem Kuhstall durch die Löcher in der Wand, die zu ihrer Schlafstelle gingen, in das Stroh in ihrem Bett gezüngelt seien. Darauf habe sie eines ihrer Kinder aus der Wiege gerissen, und die Vogtsfrau, die auch herbeigelaufen sei, hätte das andere Kind genommen. Sie hätte nichts weiter retten können als ihr Bett. Ihr dreijähriger Sohn wäre morgens schon aus dem Haus gelaufen.

Die Vogtsfrau sagte aus, daß an dem Morgen des Brandes wenige Männer im Dorf gewesen wären. Die meisten seien beim Torfstechen gewesen. Plötzlich hätte sie ein Geschrei gehört. Sie hätte darauf zu ihrer Magd gesagt, daß die Frau im Pförtnerhaus wohl ihre Kinder verprügelte. Als aber das Geschrei andauerte, hätte sie aus der Seitentür geblickt und dicken Qualm aus dem Pförtnerhaus kommen sehen. Sie sei dann am Pförtnerhaus entlang gelaufen und hätte gesehen, wie die Flammen oben aus dem First zum Vorwerk hin herausgeschlagen wären. Weil nun Wind aufgekommen sei, habe auch das Vorwerk bald angefangen zu brennen. Da wäre sie ins Vorwerk gelaufen und hätte soviel gerettet, wie sie nur konnte. Über die Brandursache wußte sie nur soviel zu sagen, daß sie im Pförtnerhaus kein Herdfeuer gesehen hätte. Es sei ja auch morgens um 6 Uhr gewesen wäre, da noch niemand kochte. Das Haus hätte auch außen angefangen zu brennen. Sie könne nichts anderes vermuten, als daß es vom Gewitter entzündet worden sei, weil sie auch ein Sausen in der Luft gehört hätte, obwohl es vorher ganz still gewesen wäre.

Lüdeke Schröder von Felde (‚Lüten Dierk’, wo später Ulrich und Helga Schlüter wohnten, am Großen Damm) sagte aus, daß er zwei Stunden nach Sonnenaufgang eine Kuh, die zwei Tage vorher gekalbt hatte, ins Rieder Holz habe bringen wollen. Wie er nun an die Thedinghausische Grenze (am Grenzgraben) gekommen wäre, wäre es ganz hell um ihn geworden und er hätte sich umgesehen. Über dem Dorf Riede wäre es schwarz am Himmel gewesen, und aus dem schwarzen Gewölk wäre ein starker Feuerstrahl auf das Dorf niedergeschossen. Er hätte sich weiter nichts dabei gedacht. Als er aber etwa hundert Schritt weitergegangen wäre, habe er mitten im Dorf Rauch aufsteigen sehen und hätte gemutmaßt, daß jemand Feuer im Backofen gemacht hätte, um Brot zu backen. Als er noch ein wenig weitergegangen wäre, hätte er es im Dorf Riede lichterloh brennen sehen.

Andere Leute hatten erzählt, daß die Frau Butelman im Pförtnerhaus Bohnen gekocht hätte und daß dabei das Feuer entstanden wäre. Dazu machte aber Wilhelm Wickens Frau (später Reinert Lange, heute Gerd-Dieter Behn) eine wichtige Aussage. Sie sagte, daß sie zur Brandstelle gelaufen wäre, als das Haus schon in voller Glut stand. Sie hätte einen Topf mit Bohnen, die zum Einweichen darin lagen, in Sicherheit gebracht. Den Topf hätte jemand aus dem brennenden Haus gerettet - aber nicht vom Herd - und hätte ihn neben das Haus gestellt. Sie hätte ihn nur weiter weggestellt.

Die Frage der Brandursache war wichtig. Denn die sieben Höfe, die einen Brandschaden erlitten hatten, klagten gegen den Amtmann (bzw. Drosten) in Syke, der die Verantwortung für das Vorwerk hatte. Durch die Vermietung des Pförtnerhauses, das für eine Wohnung mit Feuerstelle viel zu eng und gefährlich gewesen wäre, läge die Verantwortung für den Brand bei ihm, und er hätte somit für eine Entschädigung der Opfer zu sorgen. Der Amtmann (Drost) versuchte darzulegen, daß der Brand durch ein Gewitter ausgelöst worden wäre und somit durch Gottes Hand. Und dafür sei kein Mensch verantwortlich zu machen.

Gegen die Vermutung vom Blitzeinschlag gab es verschiedene Zeugenaussagen. Die erste kam von Harm Kötgen (heute Hilmer Ortmann). Er sagte aus, daß das Feuer nach seiner Meinung im Innern des Hauses begonnen hätte. Von einem Gewitter hätte er nichts wahrgenommen. Es wäre den ganzen Morgen heller Sonnenschein und keine Wolke am Himmel gewesen. Auch Gerke Felderman (heute Heinrich Engelmann) und der Krämer Johan Sander, die beide etwas später hinzugekommen seien, sagten dasselbe wie Harm Kötgen. Auch Johan Felthusens Frau (heute Wilma Schumacher) sagte aus, daß schönes, klares Wetter gewesen wäre, nur in der Nacht hätte es gedonnert und geregnet.

Von allen Gebäuden des Vorwerks waren nur der Spieker und die Scheune stehengeblieben. Nach dem großen Brand hatte das Amt Syke zunächst schnelle Hilfe versprochen. Jeder Betroffene sollte einen guten Buchenstamm erhalten, mit Eichenholz müßte ihnen aus den benachbarten Ämtern geholfen werden, weil das im Amt Syke knapp wäre. Man schlug vor, es aus den Ämtern Alt- und Neubruchhausen liefern zu lassen. Drost Gerstenberg in Syke zögerte aber die Hilfe hinaus und konnte sich zwei Jahre später, im Frühjahr 1668, darauf berufen, daß die meisten Leute ihre Häuser und Scheunen schon aus eigener Kraft wieder aufgebaut hätten, manche schöner als vorher.

Das stimmte bei einigen wohl, bei der Mehrzahl aber nicht. Aus eigener Kraft konnte damals kaum jemand ein abgebranntes Haus wieder aufbauen. Eine allgemeine Brandversicherung gab es noch nicht (die kam erst hundert Jahre später). Es gab aber eine Unterstützung von der Kirche und von Kollekten, die in allen Kirchen des Amtes und der benachbarten Ämter durchgeführt wurden. Von Seiten des Amtes wurden normalerweise Holz und Stroh (für die Dächer) geliefert und die Steuern wurden für eine gewisse Zahl von Jahren erlassen.

Da die Unterstützung aus Syke in diesem Brandfall ausgeblieben war, wandten sich die sieben Abgebrannten am 9. Mai 1668 an den Landesherrn, den Herzog in Celle. Sie beklagten sich über den Drosten in Syke, von dem sie Unterstützung erwartet hätten, der aber jetzt seine helfende Hand weggezogen hätte. Dabei sei er doch mitverantwortlich für den Brand, indem er zugelassen hätte, daß dies für eine Feuerstelle viel zu enge Gebäude von einer Familie bewohnt worden wäre. Sie könnten mit ihren eigenen Mitteln die Höfe nicht wiederaufbauen, und die Abgaben und Steuern könnten sie schon gar nicht mehr aufbringen.

Zum Seitenanfang